An vielen Beispielen zeigt uns die Natur, wie Wachstum und Begrenzung, Qualität und Quantität sich weiterentwickeln können.

Ökologische Baustoffe für ein gesundes Raumklima

Eine ökologische Bauweise schont die Ressourcen und berücksichtigt die Belange der Natur. Wie die Energieversorgung, müssen sich Baustoffe an der Erneuerbarkeit orientieren. Der Einsatz natürlicher und nicht kontaminierter Baustoffe war bereits in den Achtzigerjahren Forderung der Baubiologie. Schadstoffe, Entsorgungsprobleme, steigende Rohstoff- und Energiekosten verschaffen diesen Baustoffen heute zunehmende Relevanz und Akzeptanz.

Der gesamte Weg der Baustoffe, von der Herstellung über die Verarbeitung bis zur Entsorgung, muss in die Beurteilung einbezogen werden. Materialeinsatz, Materialvielfalt und die Anzahl der Bauteilschichten bei energieeffizienten Gebäudehüllen nehmen zu und verursachen bei der Herstellung nicht selten problematischen Abfall. Zu berücksichtigen sind deshalb auch Landschaftsverbrauch und die Einträge von Schadstoffen in Luft, Gewässer, Boden und Lebewesen über den gesamten Lebenszyklus.

«Nachwachsende Baustoffe strahlen eine hohe Wertigkeit aus.»

Nachwachsende und ressourcenschonende Baustoffe wie zum Beispiel Holz, Stroh, Lehm und Pflanzenfasern sind dem Menschen seit evolutionären Zeiträumen vertraut und strahlen eine hohe Wertigkeit aus. Gebäude mit diesen Baustoffen überdauern oft Jahrhunderte, wie zum Beispiel Lehmbauten aus dem 17. Jahrhundert im Raum Genf oder im Thurgau zeigen. Natürliche Baumaterialien besitzen zudem feuchteregulierende Eigenschaften und leisten einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Raumluft.

Im Innenraum befinden sich heute in der Regel eine Vielzahl von verbauten Materialien, die in Kombination ein völlig anderes Verhalten zeigen können, als dies bei isolierter Betrachtung eines einzigen Baustoffes der Fall war. So gewinnt die Bewertung von Konstruktionen, aber auch die Wechselwirkung einzelner Baumaterialien, zunehmende Bedeutung.

Umweltökonomische Wertschöpfung

Die Baubiologie betrachtet Gebäude über den gesamten Lebenszyklus. Es müssen alle Nachhaltigkeitsansprüche und alle dafür erforderlichen Ressourcen einbezogen werden.

Baubiologisch erstellte Gebäude nutzen das Potenzial der Bausubstanz. Wirksame Dämmungen und Speichermasse verbessern nicht nur den Wärmeschutz, sondern leisten, mit entsprechender Nachtlüftung, passive Kühl-Massnahmen.

Zukünftige Gebäude haben einen minimalen Primärenergiebedarf, indem sich Gebäudehülle und Haustechnik ergänzen. Durch das Zusammenfügen von optimal gewählten Materialien entstehen einfache, robuste Konstruktionen. Diese Bauweise zeichnet sich durch geringen Energieaufwand in der Herstellung und durch Langlebigkeit und Dauerhaftigkeit aus. Weitere Vorteile in der Nutzungsphase sollten Wartungsfreundlichkeit und ein geringer Reparaturaufwand sein. Das setzt voraus, dass in allen Bauphasen materialgerecht verarbeitet wurde.

Bauverantwortliche legen Wert darauf, dass die gestalterische Qualität eines Baustoffes nicht auf den Neuzustand beschränkt bleibt. Naturbaustoffe verstehen «in Würde zu altern» und gewinnen im Laufe der Jahre an reizvoller Patina.

Nicht zuletzt reduzieren regionale hochwertige Baustoffe den Transportaufwand und stärken die heimische Wirtschaft.

Nach einer betriebswirtschaftlichen Ausbildung arbeitete Barbara Jehle im Hochbau-Projektmanagement. Später studierte sie berufsbegleitend Bauingenieurwesen und Baubiologie, absolvierte Weiterbildungen im Nachhaltigen Bauen und war in der Umweltanalytik und Energieeffizienz tätig. Heute ist B. Jehle als Dozentin und Consultant für gesamtheitliche Gebäudekonzepte tätig.

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