Vorwort zur Ausgabe Nachhaltiges Bauen 2020 von Prof. Adrian Altenburger, Vizepräsident SIA

Was wir heute bauen, manifestiert sich für Jahrzehnte. Insofern ist Bauen in unserer Baukultur zumindest gesellschaftlich immer nachhaltig. Wenn es um die ökologische Nachhaltigkeit geht, ist neben der Dekarbonisierung in Anbetracht wärmerer Sommer zunehmend wichtig, auch die absehbare Klimaerwärmung präventiv zu adaptieren.

Die Substitution fossiler Energieträger in Bestandesbauten ist aber immer noch ernüchternd. Aktuell werden schweizweit beim Heizkesselersatz leider grossmehrheitlich wieder Öl- und Gaskessel installiert – beispielsweise in der Stadt Zürich von 2012 bis 2016 gleich 84 Prozent. Die MuKEn 2014, die das nicht mehr zulassen würde, ist auch 2020 erst in wenigen Kantonen eingeführt. Eigenverantwortung bei allen Beteiligten wäre umso mehr gefragt.

Heizsysteme in Neubauten sind hingegen heute bereits zu rund 90 Prozent mit nicht fossilen Energieträgern installiert. Insofern gilt es, das Augenmerk bei Neubauten neben der materiellen Ressourceneffizienz – geringe graue Energie und hohe Rezyklierbarkeit – nun vor allem auch dem steigenden Bedarf für einen adäquaten sommerlichen Komfort zu widmen (BFE-Studie ClimaBau, HSLU 2017).

Dabei steht neben geschickter Beschattung die intelligente Nutzung synergetischer Systeme im Vordergrund. So lässt sich beispielsweise mit einer geothermischen Wärmequelle wie Erdwärmesonden, Grundwasser, Seewasser etc., die im Winter zum Heizen mittels Wärmepumpe genutzt wird, praktisch ohne Zusatzinvestition auch die Kühlung sicherstellen – eine seltene Win-Win-Situation für Ökologie und Ökonomie.